Sales Agent in Irland - Ein Praktikumsbericht

Pauline Weigand, Studentin Betriebswirtschaftslehre an der FHWS, April 2022

 

Auf den folgenden Seiten berichte ich von meinem Praktikum in Irland bei National Pen, der europäischen Zentrale eines Anbieters von Werbeartikeln, als Sales Agent. Wie der Bewerbungsprozess ablief, wie es ist in einem Callcenter zu arbeiten, in Irland zu Leben und ob ich es wieder machen würde.

 

Bewerbungsprozess

 

Der Bewerbungsprozess war für mich sehr einfach, mein englischer Lebenslauf wurde von einer Kommilitonin im November 2019 an die Firma weitergeleitet. Wenige Tage später fand ein kurzes Telefonat auf deutsch statt, in dem ich mich kurz vorgestellt habe. Außerdem wurde mir mehr über die Arbeit und meine Aufgaben vor Ort erzählt. Anschließend wurde ein offizieller Termin für ein Bewerbungsgespräch per Skype vereinbart. Dieses fand auf englisch statt, mein Wissen über die Firma wurde getestet und ich musste über meine bisherige Erfahrung im Bereich Marketing und Vertrieb berichten. Außerdem wurden mir verschiede praxisnahe Szenarien vorgestellt, welche ich in einem Rollenspiel durchlaufen und lösen musste. Im Anschluss hätte mir ein Test per E-Mail geschickt werden sollen, der meine schriftlichen Englischkenntnisse testen sollte, diesen habe ich allerdings nie erhalten. Kommilitoninnen, die sich mit mir beworben haben, haben diesen Test hingegen erhalten und absolviert. Es mussten Rechtschreibfehler in einem englischen Text gefunden und ausgebessert werden und verschiedene schlecht lesbare handschriftliche Adressen korrekt abgeschrieben werden. Die Zusage erhielt ich einige Tage nach dem Skype-Interview per Telefon, die schriftliche Zusage kam auf Grund von Corona allerdings erst im Mai 2020. Wenige Tage vor dem Abflug nach Irland wurden per E-Mail die Adresse des Hotels und die Abholzeiten am Flughafen sowie ein Ablaufplan für den ersten Tag vor Ort mitgeteilt.

 

Umzugspaket

 

 

Da das Praktikum im August 2020 startete mussten ich und alle weiteren neuen Mitarbeiter aufgrund der bestehenden Corona-Bestimmungen die ersten 14 Tage in Quarantäne in einem Hotel verbringen. Die Übernachtungen inkl. Frühstück wurden von National Pen gezahlt. Dies war Teil des Umzugspakets. Im Paket enthalten war auch eine separate Speisekarte für Mittag- und Abendessen im Hotel mit vergünstigten Preisen, der Hinflug, Hilfe bei der Registrierung und Erstellung einer Steuernummer in Irland, sowie drei weitere Nächte mit Frühstück. Letztere sollten die Suche nach einer Unterkunft vor Ort erleichtern. Siehe hierfür „Leben in Irland“.

 

Arbeiten in Irland

 

In den ersten zwei Wochen in Irland fand ein Sales Training statt, ich absolvierte dieses in Quarantäne in meinem Hotelzimmer. Normalerweise würde es in der Firma selbst stattfinden. Im Training wurden die gängigsten Produkte vorgestellt und mit welcher Technik diese am besten bedruckt werden können, am Ende der ersten Woche wurde dies in einem Test abgefragt. In der zweiten Woche wurde die Nutzung der Programme, sowie Verkaufsgespräche geübt, dies wurde ebenfalls geprüft. Obwohl ich für den deutschsprachigen Raum eingestellt wurde, fand das Training auf englisch statt, da nicht nur Deutsche daran teilnahmen.

 

Am ersten Arbeitstag nach dem Training wurden wir durch das Gebäude geführt und haben eine Einweisung in die aktuellen Corona- und Hygieneregeln erhalten. Anschließend wurde uns ein Arbeitsplatz zugeteilt und man sollte unverzüglich das Arbeiten anfangen. Bei National Pen wurde der Lohn wöchentlich gezahlt, Provision erhielt man in der folgenden Woche zusätzlich zum Lohn. Um Provision zu erhalten, musste ein wöchentlicher Umsatz von mindestens 3.500 € erreichet werden. Wurde diese Vorgabe nicht erfüllt, wurden alle Telefonate und der Bildschirm so lange mit dem Vorgesetzten oder einem Trainer geteilt, bis man den vorgegebenen Umsatz wieder erreicht hat. Somit war jeder daran interessiert, so schnell wie möglich viel zu verkaufen. Generell war das Arbeiten in einem solchen Umfeld vor allem am Anfang sehr ungewohnt und mit viel Druck verbunden. Man hatte aber schnell den Dreh raus, schließlich ist Provision ein großer Motivationsfaktor. Auf Bildschirmen im Büro wurde zudem eine stündlich aktualisierte Rangliste aller Verkäufer/innen mit deren aktuellem Umsatz geteilt. 

 

Gut zu wissen ist außerdem, das man in einem Krankheitsfall, anders als in Deutschland, kein Geld bekommt. Man muss also Urlaub aufsparen und nehmen, wenn man krank ist, unbezahlt zu Hause bleiben oder krank auf die Arbeit kommen. Allerdings erhielt man alle sechs Wochen eine Sonderzahlung für Pünktlichkeit und eine weitere alle vier Wochen, wenn es bei den Bestellungen zu keiner Beschwerde kam. Letztere wurde um einen bestimmten Prozentsatz je nach Schwere des Fehlers verringert.

 

Leben in Irland

 

In Irland ist es üblich, vor allem wenn man nur für eine begrenzte Zeit eine Unterkunft sucht, diese wenige Tage vorher zu besichtigen und sofort zu mieten. Die Miete wird zudem wöchentlich oder monatlich in bar an die vermietende Person gezahlt. Mietet man ein eigenes Haus, muss man außerdem darauf achten, dass immer genug Guthaben für Strom und Gas vorhanden ist. Das Guthaben lädt man in bestimmen Läden auf und gibt dann einen PIN in den Zähler am Haus ein, um weiterhin Strom und Gas nutzen zu können. Man sollte dies regelmäßig überprüfen, sonst kann es passieren, dass man ab und zu in einem kalten und/oder dunklen Haus steht.

 

Allgemein lässt sich sagen, dass Miete und Lebensmittel in Irland teurer sind als in Deutschland. Die Bezahlung hingegen ist gut, vor allem wenn man nur für ein paar Monate in Irland arbeitet, da man so nur wenige Abzüge zahlen muss.

 

Fazit

 

Arbeiten in Irland ist definitiv anders als zu Hause. Auf der einen Seite wird viel von einem erwartet und man muss viel leisten. Auf der anderen Seite wird man für Pünktlichkeit und fehlerfreies Arbeiten mit Sonderzahlungen belohnt, bekommt aber kein Geld, wenn man krank ist. Bei National Pen wurden Deutsche immer gern eingestellt, da sie als fleißig und engagiert gelten. In einem Großraumbüro, mit vielen verschiedenen Nationalitäten fällt dies stark auf, auch an den Sonderzahlungen.

 

Obwohl durch Corona vieles anders war als ich es erwartet hatte, würde ich jederzeit wieder mein Praktikum in Irland machen. Ich kann es jedem nur empfehlen und möchte diese Erfahrung nicht missen.

 

 

Weitere Allgemeine Informationen

 

Da ich mich hauptsächlich auf meine persönlichen Erfahrungen bezogen habe, habe ich hier noch eine kleine Liste mit Links und Büchern, die allgemeinere Informationen bereitstellen. Hier gibt es wichtige Informationen zu Steuern und Gehalt, Krankenversicherung, über Irland selbst, und einiges mehr:

 

EU-Info Deutschland „Arbeiten in Irland“

 

Workwide.de „Leben und Arbeiten in Irland“

 

Reiseführer z.B. von Marco Polo, ADAC

 

 

Kulturschock Irland von Astrid Fieß, Lars Kabel